Porsche Mission S: A Porsche is a Porsche is a Porsche
Standortbestimmung: Das europäische Automobildesign gibt seit einiger Zeit wieder den Takt vor. Audi definiert mit dem Concept C und dem Nuvolari eine neue Avantgarde. Unsere französischen Nachbarn bringen einen Sympathieträger nach dem anderen auf die Straße. Die neue Alpine und der in Paris gezeigte Alfa Romeo lassen die Herzen höherschlagen. Es geht voran. Und jetzt Porsche: Sportwagenschmiede 35. Für die Präsentation des Porsche Mission S wurde New York gewählt. Genauer gesagt: ein Pier in Queens, mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Ein geschichtsträchtiger Ort, an dem bereits 1953 der Porsche 550 Spyder amerikanischen Boden erreichte.
Porsche ist seit den 1950er-Jahren eng mit den USA verbunden. Max Hoffman, kongenialer Händler und leidenschaftlicher Porsche-Enthusiast, verdanken wir einige besondere Modelle – darunter den 356 Speedster und den 356 Continental. Der Porsche Club of America ist der größte Porsche-Club der Welt. Die Rennsport Reunion gilt als Pilgerstätte, die legendären „Luftgekühlt“-Treffen wurden an der Westküste erfunden, und jeder echte Porsche-Nerd kennt die R Gruppe. Die Verbindung zwischen Porsche und Amerika ist weit mehr als eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Sie ist Teil der Markengeschichte und ihrer Kultur. Authentisch, konsequent und zeitlos. Diese drei Begriffe bilden den strategischen Rahmen für die Weiterentwicklung der ikonischen Designidentität von Porsche. „Der Mission S ist das Resultat einer zukunftsweisenden, gesamthaft gedachten Designstrategie“, sagt Tobias Sühlmann, Leiter Style Porsche. „Das Visionsmodell zeigt eine grundsätzliche strategische Ausrichtung, die wir zeitnah in unser zukünftiges Produktportfolio übersetzen werden.“
Tobias Sühlmann ist erst der fünfte Chefdesigner in der Geschichte von Porsche. Mit seiner seriennahen Studie baut er behutsam auf dem auf, was seine Vorgänger hinterlassen haben. Und das ist ein gewaltiges Erbe. Schließlich sprechen wir von Automobilen, die jeder kennt und liebt. F. A. Porsche legte in den 1960er-Jahren mit dem 911 den Grundstein. Damals ein revolutionärer Entwurf, heute eine Ikone. Jedes Kind kann die Silhouette des 911 mit dem Finger in den Sand zeichnen. Sein ganzheitlicher Designansatz prägte weit über das Automobil hinaus auch die Welt der Konsumgüter. Die Designteams unter Anatole Lapine zeichneten das G-Modell und den 928. Harm Lagaay verantwortete unter anderem den 964, 996 und 997, die Transaxle-Modelle, den Boxster, den Cayenne sowie den Carrera GT unter der gestalterischen Leitung von Grant Larson und den GT1 mit Tony Hatter. Michael Mauer führte diese Geschichte mit dem 991 und 992, dem Macan, Taycan, Panamera, den Porsche Unseen Modellen und 918 Spyder fort.
Mit dem Mission S wird nun endlich die Lücke zwischen dem Porsche Turbo und den Supersportwagen wie Carrera GT und 918 Spyder geschlossen. Porsche-Kunden fragen sich seit Jahrzehnten, warum die Marke diesen Schritt nicht längst gegangen ist. In den vergangenen zehn Jahren gab es immer wieder Ansätze. Doch offenbar musste erst Michael Leiters kommen. Er bringt unter anderem Erfahrungen von McLaren und Ferrari mit und weiß um die Bedeutung dieses besonderen Segments.
Der Mission S ist vor allem eines: ein wunderschönes Auto. Soulfood. Der gesamte Entwurf ist fein austariert zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Farben Firnweißmetallic und Lichtrotmetallic interpretieren die klassischen Porsche-Motorsportfarben neu. Jeder Betrachter findet sich sofort in der typischen, unverwechselbaren Porsche-Formensprache wieder. Zitate des 959, 993, GT1 und 928 lächeln einem entgegen. Mit jeder Faser sagt dieses Auto: A Porsche is a Porsche is a Porsche – and will always be. Aus Designerperspektive ist das die wohl schwierigste Disziplin: Evolution. Schließlich arbeitet man an einer Formensprache, die sich über Jahrzehnte bewährt und Designgeschichte geschrieben hat. Man darf sie weiterentwickeln, aber ihre Seele niemals verlieren. Wer hier einen Fehler macht, ist raus.
Die Proportionen und das Package sind perfekt. Nimmt man im Innenraum Platz, erinnert der Blick nach vorne an den Porsche 906. Man sitzt tief, sehr tief. Viel vertrautes, Analoges, viel Haptisches empfängt den Fahrer. Die fünf charakteristischen Rundinstrumente hinter dem Lenkrad sind präsenter denn je. Im Zentrum steht der Drehzahlmesser mit analoger Nadel und einem dahinterliegenden Display. Je nach Fahrmodus bewegt er sich auf den Fahrer zu und rückt damit noch stärker in dessen Fokus. Auch die Anordnung der Instrumente verändert sich mit dem gewählten Fahrmodus: Die Tuben positionieren sich, abgestimmt auf die Bedürfnisse des Fahrers, neben- oder hintereinander. Sitzverstellung, Knöpfe und Schalter sind in bester Porsche-Manier auf das Wesentliche reduziert und bis ins kleinste Detail durchgestaltet. Der orangefarbene Drehzahlmesser trägt die Aluminiumkappe des F-Modells – ein wunderbares Detail. Und dann wäre da noch die ausklappbare Handyhalterung. Über eine eigens entwickelte Porsche-App erhält der Fahrer Zugriff auf die digitalen Inhalte. Das gesamte Interieur erinnert an die Architektur des 356 und des 550 Spyder. Sichtbare Versteifungen und Durchbrüche sind nicht nur gestalterische Elemente, sondern Ausdruck konstruktiver Logik.
Man kann sich kaum sattsehen. Der Entwurf stimmt aus jeder erdenklichen Perspektive. Und je länger man sich mit den Details beschäftigt, desto mehr entdeckt man. Die Felgen beispielsweise zitieren das Wählscheibendesign des 928. Chapeau. Und all das wurde in gerade einmal sechs Monaten erdacht und gezeichnet. Technisch darf man sich bei Porsche ohnehin auf einiges freuen. Der Mission S als Mittelmotorkonzept hat das Potenzial, erneut Maßstäbe zu setzen. Und fahren wird er mit Sicherheit grandios – ob auf der Landstraße oder auf der Rennstrecke. Bleibt noch die Frage nach dem Antrieb. Schon beim Porsche 904 kamen Vier-, Sechs- und Achtzylindermotoren zum Einsatz. Jede dieser Varianten hatte ihren ganz eigenen Reiz. Welche Antwort Porsche diesmal geben wird? Wir werden es bald erfahren.
Der Porsche Mission S ist ein mehr als gelungener Auftakt von „Sportwagenschmiede 35“. Und er macht Lust auf alles, was noch kommt. Auf den nächsten 911, den nächsten Macan und auf all die Porsche, die diese neue Designphilosophie in Zukunft prägen werden. Der Mission S ist ein Porsche, in dem man sich sofort zu Hause fühlt. Ein Auto, das lange nachklingt. Eines, mit dem man am liebsten auf der Stelle losfahren möchte. Und eines, bei dem man nach der Fahrt, kurz bevor man das Licht in der Garage löscht, noch einmal innehält, sich umdreht und sanft mit der Hand über den Kotflügel streicht.










