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Die meisten Alpenpässe öffnen erst ab Mai wieder. Die ganz hohen Pässe rund um Andermatt oder in Frankreich oft gar erst im Juni. Ab November ist dann alles wieder „chiuso“ – sechs Monate Winterschlaf für Mensch und Gefährt. Mich zieht es in den Wintermonaten wegen Curvistan (Vol. 4 eröffnet im November) öfter nach Thailand. Dort geht es regelmässig in ein Reise-Kurven-Essen-Eldorado, das seinesgleichen sucht. Aber auch im Winter gibt es die Möglichkeit, den „Etappe“-Button zu drücken und für zwei Tage eine wunderbare Auszeit zu nehmen: die Dolomiten. Eine der schönsten Landschaften auf dem Planeten. Nebenbei kann man hier auch grossartig Ski und Snowboard fahren, winterwandern, Skitouren gehen – und fantastisch essen. Die Pässe rund um Corvara haben im Winter meist alle offen. Also starten wir von München in ein verlängertes Wochenende. Erster Stopp: Pretzhof bei Sterzing (das Bistro ist ebenfalls sehr gut, falls oben alles reserviert ist). Und dann geht es gleich hinein in die Dolomiten. Am Abend das erste Highlight: Mit Alpenglühen übers Grödnerjoch bis zum ersten Übernachtungsstopp: Corvara. Hier empfehle ich gerne das Berghotel Ladinia – eines der ersten gebauten Hotels in Corvara. Klein aber fein.

  • Draussen dämmert es noch, als wir losfahren. Die letzten Schneeflocken tanzen. Früh aufstehen lohnt sich immer. Noch vor der Skifahrermeute geht es zum Falzarego hinauf. Ein Traum: Gegenlicht, nichts los, der Asphalt kalt und leicht rutschig – was unserem 992 Dakar (ich würde ihn nach dieser Reise gerne in „Schneeleopard“ umbenennen) im Offroad-Modus nichts ausmacht und uns Freudentränen ins Gesicht treibt. Mit 40 oder 50 km/h gemütlich den Berg hoch – reicht völlig. Apropos 992 Dakar: Wir waren letztes Jahr 22.000 Kilometer unterwegs – von Bangkok nach Stuttgart. Der Dakar hatte einen Riesenspass. Schnee hat er dabei allerdings keinen gesehen. Das holen wir jetzt nach. Er ist schon ein paar Jahre alt, vorgestellt 2022, aber egal: Für mich ist er die beste 992-Ausbaustufe und eine der besten Ideen, die Porsche seit langem hatte – und eines der besten Reisemobile überhaupt. Tieferlegen ist dort ohnehin ein Irrweg – die Federbeine brauchen Auslauf in Kurven und auf unebenen Strassen. Wer einmal mit einem GT3 oder 964 RS unterwegs war, weiss, was ich meine: Sieht zwar super aus, aber versetzt auch gern mal. Und ein kleines Loch in der Strasse lässt einen sofort erschaudern.

  • Wir gleiten geschmeidig durch ein „Winterwonderland“ und erreichen nach nur 30 Minuten die Seilbahn am Lagazuoi. Da muss man unbedingt rauf – leider öffnet sie erst in zwei Stunden. Next time. Weiter geht es Richtung Cortina. Die Olympischen Spiele sind gerade vorbei, aber wir begegnen immer noch Delegationen aus allen möglichen Nationen auf Parkplätzen, die den Dakar bewundern. Insgesamt habe ich etwa 300 Daumen hoch vom Strassenrand gezählt. Zu den Drei Zinnen geht es diesmal nicht. Wir biegen kurz vor Cortina rechts ab – der Passo di Giau ruft. Eine der schönsten Strassen überhaupt. Oben angekommen gibt es erst einmal ein grossartiges Frühstück. Ausblick: alles weiss, Stille, Espressoduft. Schöner wird’s nicht. Doch das schwarze Asphaltband ruft weiter. Richtung Arabba und hinauf zum Pordoijoch. Das Schöne an den Dolomiten: Ein Pass knüpft an den nächsten. Man fährt wie im Flow. Oben angekommen: Espresso, Passticker kaufen und weiter Richtung Sellajoch. Aussteigen, Aussicht geniessen: Endstufe. Dann gleich weiter Richtung Grödnerjoch. Kurzer Stopp um 11:00 im Chalet Gérard. Danach sind wir wieder in Corvara. Aussteigen, auschillen, Mittagsschlaf – und ab 16:00 Uhr die Runde wieder rückwärts. Am nächsten Tag. Das gleich nochmal mit vielen Fotostopps. Es fällt schwer, den Dakar wieder abzugeben. Am liebsten würde ich gleich weiterfahren – Richtung Korsika und Sardinien. Danach vielleicht Sizilien. Wenn ich eine Bitte an Porsche hätte, dann eine weitere Serie dieses fantastischen Globetrotters. Der einzige Wermutstropfen bei einem Winterausflug in die Dolomiten ist der Endgegner des Automobils: Salz. Aber man kann die Autos vorsorglich präparieren und danach gründlich auswaschen. Es lohnt sich. Und eine Bitte noch: Die Berge sind nicht der Nürburgring - lasst es langsam angehen, geniesst die Landschaft. Soulful driving …

  • (c) Text & Fotos: Stefan Bogner