Mit der Vespa durch die USA - Drei Freunde in der Mitte ihres Lebens suchen nach einem Abenteuer. So kommt es, dass sie 2014 – pünktlich zum traditionellen „Anrollern“ am 1. Mai – zu einer außergewöhnlichen Reise aufbrechen: Als Team MOTORLIEBEkreuzen sie mit drei alten Vespas durch die USA. Start ist in Los Angeles, Ziel der Reise: New York City. Rund 9000 km auf kleinen Straßen, durch riesige Weiten, unbekannte Orte, glitzernde Metropolen. Mit nur zehn PS tuckern die drei durch das drittgrößte Land der Erde – treffen auf sympathisch verrückte Menschen, kämpfen mit Windböen und Riesen-Lastwagen, stranden in Indianer-Gebieten und werden immer wieder durch Landschaften versöhnt, die man sonst nur von Postkarten kennt. Ihr Abenteuer hat ein ganz besonders Tempo – der Soundtrack spielt in zwei Takten. Das Buch ist im Delius Klasing Verlag erschienen. AUF DER VESPA DURCH DIE USA   MOTORLIEBE.DE

  • Wir haben Michael in München getroffen. Was waren eure skurrliste Begegnung? Da gab es tatsächlich mehrere. Aber besonders skurril war die in Worland WY. Wir mussten mal wieder Wäsche waschen. Da bot sich ein einsamer, schmuddeliger Waschsalon in Worland an. Es waren gefühlt rund 40 Grad in der Mittagssonne und da dachten wir: zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. 1. Mittagssonne überlisten und 2. diese gleich zum trocknen nutzen. Wir warteten also in die Leere starrend auf unsere Wäsche, als eine ältere Dame den Waschsalon betrat und freundlich grüsste - mit fettem Akzent. Amalia, so heisst sie, fragte direkt, was wir denn so machen würden - ausser Wäsche waschen. Als wir ihr von unserer Tour erzählten, fragte sie, wo wir denn herkommen, sie sei aus der Steiermark - jedoch seit rund 50 Jahren in den USA und seitdem hier in Worland. Wir erzählten eine Weile, dann sie, dann wieder wir. Dann fragte sie, ob wir kurz auf ihre Wäsche achten würden (wir fragten uns: warum? Es kommt eh niemand vorbei...die nächsten Tage sicherlich auch nicht), was wir natürlich gerne machten. Sie kam nach 15 Minuten wieder mit Alufolien-Päckchen, für jeden eins. Was war drin? Jeweils ein paar Socken, Süßigkeiten, Cerealien und weitere Nettigkeiten. Weil wir so dünn aussehen würden und noch eine lange Reise vor uns haben. Wir blieben noch zirka eine Stunde und unterhielten und mit ihr. Eines von vielen schönen Erlebnissen auf der Tour. Das zweite schloss sich direkt an der Tankstelle nebendran an, aber das ist eine andere Geschichte...

  • Und die schönsten Momente? Sehr subjektiv. Für mich war es definitiv das Befahren des Pikes Peak auf rund 4.300 Meter. Wo kann man das sonst noch - mit der Vespa? Der Berg ist fantastisch, die Strasse mittlerweile bis ganz noch oben geteert. Wir hatten megaglück mit dem Wetter, tags zuvor war es noch nebelig und um die Null Grad am Fuße. Das Wetter spielte bei uns mit und die Fahrt nach oben war atemraubend, nicht nur wegen der Höhe. Ein unvergessliches Erlebnis. Leider hat es eine nicht nach oben geschafft, auch die anderen beiden hechelten mit letzter Kraft zum Gipfel. Abdüsen? Was ist das ;-)

  • Gab es einen Tiefpunkt & wie zuverlässig ist eine Vespa: Ich würde es nicht Tiefpunkt der Reise nennen. Jedoch hatten wir tatsächlich viele Reparaturen, die uns hin und wieder "runterzogen". Das Schrauben gehört zwar dazu, aber wir dachten, dass es nicht in dem Maße sein würde. Die eine "Dame", so nannten wir die Vespas nach einiger Zeit, nervte dann doch sehr und wollte viel mehr Aufmerksamkeit als wir zu geben vermochten - im Buch wird das köstlich amüsant beschrieben. Wer sagt, dass Vespas unempfindliche Arbeitstiere sind, soll bitte mal gut 9.000 Kilometer in sieben Wochen mit drei Vespas fahren - auf Strassen, die man in Europa selten findet, bei 50 Grad in Arizona und Minus 5 in Colorado, bei Regen, Hagel, Schnee auf Strassen, die diesen Namen nicht verdienen, in L.A., Chicago, Detroit und NYC, um nur die größten Städte zu nennen. Der Verkehr ist mörderisch, für Mensch und Material. Das nordet jeden neu ein. Wer's nicht glauben mag: bitte nachmachen!

  • Wer ist der unsichtbare Vierte? Das ist Marius, im Buch wird er definitiv nicht unsichtbar sein. Er bekam sogar einen Preis verliehen ;-) Ohne ihn wäre die Tour unmöglich gewesen. Denn wir wollten keine Fotos von vollbepackten Vespas, die dann nur noch als hässliche Lastentiere zu erkennen sind. Daher der "Begleitbus". Marius pilotierte den 5-Meter-Van souverän und erfreute sich an dessen V8-Blubbern. Wir hatten ein Dachzelt drauf; zwei schliefen oben im Zelt, zwei unten im Van, Ersatzteile hinten drin, Werkzeug unter den Sitzen, Fotoausrüstung überall, unser Essen auch. Klar hätte man das alles auch ohne Begleitfahrzeug machen können, jedoch wäre das Ergebnis ein ganz anderes gewesen - eins, wie man es von Hunderten Reisebüchern mit Fahrzeugen kennt. Die Vespas sind nicht ohne Grund so lackiert, wie sie es sind, und das soll auf den Fotos sichtbar sein.

  • Mach so ein Erlebnis süchtig? Ja, aber wir waren vorher bereits süchtig nach Reisen. Keiner von uns ist ein Stubenhocker. Wenn die Zeit es zulässt, sind wir draussen, in fernen Ländern. Von USA bis Nord-Korea haben wir bereits vieles gesehen, jetzt wollen wir einiges mit der Vespa machen, denn Motorliebe steckt in jedem von uns.

  • Wie lange habt Ihr vorausgeplant? Gar nicht so sehr lange, dafür aber sehr intensiv. Zwei Vespas wurden erst im Dezember 2013 gekauft und dann komplett von uns erneuert und eben umlackiert. Die Idee stand im Juli 2013 fest, im November begann die echte Planung mit "wie bekommen wir die Vespas überhaupt in die USA" und "welche Strecke soll es werden".

    Wie wichtig war die Planung im Nachhinein? Extrem wichtig. Denn viele Ziele, die wir im Buch mit Interviews "schmücken", sind nicht einfach so zu finden. Das bedarf Recherche, viel Recherche. Als Beispiele sind nur der "Jeansmann" Ryan zu nennen, der superhochwertige Maß-Jeans von Hand herstellt. Er alleine, cooler Typ, geiles Produkt. Oder das Bio-Kaffee mit Drive Thru in Denver, in dem wortgewandte Baristas, spärlich bekleidet, superleckere Bio-Produkte feilbieten. Ein weiteres Beispiel sind die Low-Rider aus NYC. An der Westküste kennt man das, und dort sind sie auch häufig zu finden. Im Osten ist es schwierig, ganz davon abgesehen, dass diese Jungs meist eher wenig Trubel wollen. Diese Begegnungen findet man nicht einfach so, das ist echt harte Arbeit. Also: Ohne Planung = weniger gute Geschichten, die unser Buch zu dem machen, was es ist. Bislang einzigartig.

    Was würdet Ihr jemandem auf den Weg geben, der eine ähnliche Reise plant? Nimm Freunde mit. Viele sagten vorher: "Nach der Tour wollt ihr euch nie wieder sehen". Stimmt nicht, aber es sollte klar sein, dass man jeden Tag 24 Stunden zusammen ist, da muss die Truppe harmonieren, sonst endet das eventuell doch unschön. Wer einfach nur ein Land durchkreuzen möchte und genug Zeit hat, kann sich treiben lassen. Wer in einer festgelegten Zeit etwas daraus machen möchte, sollte...nein: muss planen. Und wer noch schöne Fotos haben will, darf den Fokus nicht aus den Augen verlieren. Bei uns sind das die passend aufeinander abgestimmten Vespas in den ungewöhnlichen Landschaften.