Endlich darf er raus. Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Sport Turismo am Flughafen Reykjavik, die Cargo-Maschine der Icelandair ist vor einiger Zeit gelandet und jetzt schiebt der mächtige Hybrid-Sportler seine Nase aus dem Frachtraum. Noch festgezurrt auf der Transportplattform die jetzt in kleinen Rucken nach draußen fährt. Dann runter aufs Rollfeld. Touchdown.

Pétur Lentz ist Präsident des Porsche Club Island und Pilot bei Icelandair, er hat den Porsche höchstpersönlich hierher geflogen und schaut konzentriert zu, wie der 680 PS starke High Tech-Sport Turismo ankommt. Technik-Check, Zollpapiere, Auftanken – irgendwann steht der Panamera am Tor des Flughafens und die Schranke hebt sich langsam. Elektro-Modus. Herzhaft Gas geben und die 100 Kilowatt-Elektromaschine mit ihrem deftigen Drehmoment schlenzt den Porsche beinahe geräuschlos ins Freie. Pétur strahlt: „Der Turbo S E-Hybrid fühlt sich an wie Island: An der Oberfläche ruhig und souverän, aber darunter versteckt sich gewaltige Energie.“ 100 Prozent der Energie Islands stammt aus natürlichen Ressourcen, vulkanische Superkräfte halten die wilde Insel des Nordmeers an der Erdoberfläche. Der Porsche scheint diese Wesensverwandtschaft sofort zu spüren, er pfeilt zum Stadtrand und zielt dann in die Wildnis hinaus. Offene Straßen, zerprügelt von eiskalten, rabenschwarzen Wintern und dem Tauwetter eines kurzen Sommers. Geysire kochen, heiße Quellen dampfen, Moos und Flechten krallen sich mit trotziger Entschlossenheit auf vulkanische Felsen und am Strand lassen sich durchsichtig blaue Eisschollen von der Brandung auf schwarzen Lava-Sand tragen. Wasserfälle stürzen sich in ihre Klamm, Regenwolken ertränken das Land in einer Fünf-Minuten-Sintflut und dann explodiert ein Regenbogen über den Eisgipfeln der Berge am Horizont.

  • Panamerafahren heißt jetzt: Überirdische Traktion, völlige Ausgeglichenheit. Wenn dann aber die ersten Kurven in den Lava-Hängen auftauchen, wirft er sich mit entschlossener Leidenschaft in die Kehren. Wird zur Kurve. Fahren ohne Filter. Pétur bekommt einen leicht fiebrigen Glanz in den Augen: „Unfassbar, welche Pole dieses Auto in sich vereint: Einerseits ist er ein bestechend präziser Sportwagen, andererseits ein komfortables Familienauto. Einerseits eine mächtige Maschine aus purer Kraft gemacht, andererseits so nachhaltig und effizient. Passt zu Island. Passt sehr gut zu Island!“ – Ein paar Momente lang schaltet Pétur in den E-Fahrmodus. Geräuschlos schnell. Elegant. Lässig. Pétur nickt: „Gefällt mir. Das gefällt mir besser als mir gefällt.“ Begeisterung auf Isländisch. Dann zurück in den Hybrid-Modus, der Biturbo-V8 springt wie ein Feueratem knurrend an und macht den Panamera ganz drängend und machtvoll. Pétur drückt sich seufzend in den Fahrersitz und rollt mit den Augen: „Gefällt mir auch…“

    Einen Tag später ist der Panamera Star beim Treffen des Porsche Club Island. Vom alten 356 bis zum Cayman GT4 und 911 in allen Schattierungen strudelt eine bunte Truppe auf den Parkplatz am Flugzeughangar des kleinen Regionalflugplatzes und macht sich interessiert über den Hybrid-Panamera her. Irgendwann haben alle Member die Tour durchs Cockpit hinter sich und schlagartig drängt die Meute hinaus. Fahren. Soll der Neue doch mal zeigen was er drauf hat. Raus auf die nassen, groben Straßen Islands, während in der Windschutzscheibe ein Wikinger-Traum von Valhalla majestätisch materialisiert. Island ist immer für ein Cimescope-Machtwort gut und der Panamera Turbo S E-Hybrid drückt sich keine Sekunde. Bis zum Abend wird der Süden der Insel unsicher gemacht, dann muss der Sport Turismo wieder zum Flughafen zurück. Auf der Mole eines kleinen, einsamen Hafens rollt Pétur mit einem diabolischen Grinsen aus: „Launch Control. Die haben wir noch nicht getestet. Das ist wie beim Warten auf einen Geysir, Du weißt der Druck will irgendwann raus… Und außerdem ist so was Piloten-Ehrensache, oder?“ Stillstand. Dynamik-Fahrprogramm scharf schalten. Und Feuer.

  • Was dann passiert, kann schlecht erklärt werden, aber es hat beängstigende, atemberaubende, martialische Züge. Vulkanisch eben. Und noch Stunden später versucht man zu rekapitulieren, was da eigentlich passiert ist. Nur so viel: Elektroantrieb und Biturbo-V8 verschmelzen im Panamera Turbo S E-Hybrid zu einer homogenen Einheit, aus dem brutalen Anfahrdrehmoment der E-Maschine wächst der knochentrockene Punch der Turbolader und wird dann von der zuschnappenden Drehzahlgier des Achtzylinders komplimentiert. Wann was aufhört oder anfängt, ist nicht auszumachen. Dies ist eine Maschine, die dem Wort „Systemleistung“ eine ganz neue, poetische Komponente verleiht. Muss Isländisch sein.

    Text: Ben Winter • Fotos: Stefan Bogner