• Seit 2009 steht er dort. Dieser weiße Block, kantig und klar, der so kühn nach vorne springt, als ob er der Physik trotzen könnte. Am Porsche Platz. Gegenüber den Backsteingebäuden, in denen alles begann. Das Porschemuseum. Im Erdgeschoss ist alles noch normal. Rezeption und Restaurant. Bücher und Souvenirs. Kleine Bar. Doch ganz hinten ein Glasscheibe 4 oder 5 Meter hoch, vom Boden bis zur Decke. Auf etwa 70 cm Höhe jedoch voller Abdrücke von kleinen Jungs, die sich dort die Nasen platt quetschen. Denn dahinter werden Oldtimer restauriert. Fahr- und rennfertig gemacht. Und dabei kann man zuschauen. Viele Besucher kommen kaum weiter als bis hierhin.
  • Wer jedoch die endloslange Rolltreppe ins erste OG hinauf fährt – Vorfreude soll ja die schönste Freude sein – der fährt direkt hinauf in den Porsche-Himmel. Hier stehen sie. Die ersten Fahrzeuge vom Firmengründer Ferdinand Porsche, die er noch als Angestellter entwarf. Schon mit Hybridantrieb, aber die meisten ohne Dach. Aber dann geht es über den 356 zu den verschiedensten 911ern bis heute. Zumeist warten Vertreter aller bedeutenden Zahlenkombinationen, die mit 9 beginnen, auf die Besucher: 904. 906. 910. 914. 917. 924. 928. 944. 959. 962. 964. 993. Dazu je nach Sonderausstellung auch Traktoren, Formel Fahrzeuge, Le Mans Gewinner oder aktuelle Supersportwagen wie der 918. Am Ende ist es natürlich Geschmackssache, aber durch die weißen Wände, Böden und Decken wirken alle Fahrzeuge wie unwirklich. Wie Kunst. Wie freigestellt. Vom Hintergrund getrennt. Aber man erfährt auch viel und kann auch etwas lernen. Selbst ausgemachte Porschefans stellen sich unter die Auspuff-Lärm-Dusche, staunen über den Rennwagen, der sich dank Groundeffect selbst an die Decke saugt oder die Leichtigkeit der Karosse eines 904, die von dünnen Schnüren gehalten wird.

  • Aber am Ende sind es vor allem die Autos, die einen faszinieren. Die man lange nicht gesehen hat. Oder gar nicht kannte. Die einem nur bis knapp übers Knie gehen oder einen mannshoch überragen. Einsitzer, 2Sitzer oder 4Sitzer. Mit Boxermotor, fast alle, und solche ohne. Trommelbremsen groß wie Sahnetorten, Bremsscheiben an Rennwagen voller Hitzerisse. Man kann erwachsene Männer beobachten, wie sie ehrfurchtsvoll die Lippen bewegen, wenn sie die Namen der Fahrer von den Türen berühmter Rennwagen ablesen. Dazu das dauernde und leise Klacken der Fotoapparate. Wie es im Porschemuseum sowieso meist leise ist. Wegen der Ehrfurcht? Weil es so museal erscheint? Oder weil man die Bewunderung der anderen nicht stören möchte?

  • Zum Abschluss noch eine weniger schwelgerische Bemerkung, sondern eine eher praktische: Für viele war Montag schon immer ein blöder Tag. Das wird nicht besser, denn an diesem Tag wird einem der Zugang zum Porsche-Himmel verwehrt. Montag ist nämlich Ruhetag.


    (c) Text: Matthias Wetzel - Fotos: Stefan Bogner